Strom
Wenn wir unseren Lieblingshelden der Gegenwart benennen sollen oder unsere Lieblingsfigur aus der Weltgeschichte oder der Weltliteratur, dann sagen wir von Fön immer im Chor und wie aus der Pistole geschossen: "K.L. McCoy!"
Und jedes Mal versetzt es uns einen kleinen Stich, wenn wir dann zu hören bekommen: "Wer soll denn das sein?", "Habt ihr so was öfter?" oder: "Verarschen kann ich mich selber".

Keine Frage, der große McCoy ist immer noch bei weitem nicht so bekannt, wie er es sein müsste. Dies zu ändern ist unser Auftrag. Fön schreit den Ruhm K.L. McCoys hinaus in alle Welt. Zum Beispiel in Form unseres gemeinsamen Buches, K.L. McCoy: Mein Leben als Fön, erschienen im Piper Verlag, jetzt sogar auch als Taschenbuch.

Hier bieten wir McCoy die Gelegenheit, sich auch einmal selbst zu Wort zu melden.

K.L. McCoys Kritik bei amazon.de zu dem von uns herausgegebenen Buch "K.L. McCoy: Mein Leben als Fön":

Na, das wurde aber auch Zeit. Seit Jahren schon vertrösten mich meine so genannten Herren Herausgeber mit nun wirklich fadenscheinigen Argumenten wie Sorgfältigkeit, wie Recherche, Überprüfen der Quellen, wie Übersetzung, wie, ich zitiere wörtlich, "Verlagspolitik, auf die wir keinen Einfluss nehmen können"; aber nun hat das endlich ein Ende, das Buch ist erschienen und vermag zumindest einen kleinen Einblick in meine unerhörte und lehrreiche Lebensgeschichte geben. Aber, hélas, jeder Einblick ist halt nur ein Einblick, jede Auswahl nichts als eine Auswahl, und damit ein Verschweigen des ganzen Restes. Ich habe die Herren Herausgeber ja mehrfach ermahnt: Warum nur 200 Seiten? Warum nur ein Band? Warum erzählt ihr nichts über meine Rolle in der Pariser Kommune, warum nichts über meine drei Tage als Papst? Kein Wort, ich habe das überprüft, kein Wort über meinen Job als Zimmerkellner im Watergate-Hotel, auch keines über meine "Mathematischen Beweise für Linkshänder" oder die zugegeben bahnbrechenderen "121 Thesen, die sich alle hinter die Ohren schreiben sollten". Aber nunja, manchmal muss man sich begnügen. Vier Sterne, weil es ja schließlich um mich geht, aber fünf? Niemals. Da muss schon mehr kommen, meine Herren.

Und wie es so McCoys Art ist, hält er auch nicht hinterm Berg mit seiner Meinung über die zwar unregelmäßige, vielleicht manchmal ungeduldige, so aber immerhin doch auch undifferenzierte Lektüre, zu der er sich im Laufe der Jahrhunderte hat hinreißen lassen. Bei amazon.de findet sich so auch die folgende Kritik zur Hamburger Goethe-Werkausgabe:

Kein unbegabter junger Autor. Den muss man im Auge behalten. Besonders bei den "Leiden des jungen Wärters" habe ich oftmals laut lachen müssen, und auch das mit dem Wallenstein - wirklich nicht ohne. Man kann nur hoffen, dass sein Atem reicht, manches wirkt noch arg autobiografisch, vieles halbherzig, mitunter möchte man schreien: Erleb doch erst einmal etwas! Dennoch: Ich bin schon sehr gespannt auf Faust III.

Immerhin 9 von 61 Kunden fanden die Rezension bis zu diesem Zeitpunkt hilfreich. Zu den verbleibenden 52 gehörte wohl R.W., die McCoy die folgende Mail zukommen ließ:

Hallo K.L.McCoy, Sie schreiben in einer Rezension zu "Goethe. Werke. Hamburger Ausgabe. (14 Baende in einer Kassette)", dass eben dieser Goethe kein unbegabter junger Schriftsteller sei. Ihnen ist aber dann doch wohl klar, dass sie über Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) schreiben, oder nicht? Des Weiteren schreiben Sie, dass man nur hoffen könne, dass sein Atem reiche. Ich bin mir im Klaren, dass man über Geschmack streiten kann, aber ich bin der festen Überzeugung, dass sein Atem gereicht hat. Er gilt nunmal einer der größten Dichter, die Deutschland je gesehen hat. Einer Kritik an seien Werken ist nichts entgegen zu setzen, doch Ihre Rezension erweckt den Eindruck, dass Sie zwar verschiedene Werke gelesen haben könnten, aber über den Dichter selber sehr wenig wissen. Liebe Grüße

Klar, dass McCoy das nicht auf sich sitzen lassen konnte:

Liebe R.W., Ihre aufrechte Verteidigung des guten Johann Wolfgang ehrt Sie und freut mich. Und ihn hätte sie sicherlich auch gefreut, war er doch bei aller nach Außen gezeigten Rüpelhaftigkeit ein von tiefen Selbstzweifeln geplagter Mann. Das können Sie nicht wissen, ebensowenig wie Sie wissen können, dass ich Anfang der 1790er Jahre recht regelmäßig mit ihm zusammentraf, das ließ sich in einem, mit Verlaub gesagt, Kaff wie Weimar auch schwer vermeiden. Ich versuchte damals, mit einer Schmähschrift über Robespierre - voreilig "Im Club der Neincobiner" genannt - an die Erfolge meines Skandalbreviers "Der pubertäre Jesus im Tempel" anzuknüpfen, wofür jedoch die Zeit und der Ort wieder einmal nicht reif genug schienen. Nur dieser Goethe heuchelte bei einem Diner ein wenig Interesse, jedoch, wie ich vermute, lediglich, um sich aus einer unangenehmen Unterhaltung mit Herrn von Stein herauszustehlen. Von meinem Erfahrungsschatz und meiner Trinkfestigkeit aber sichtlich beeindruckt, suchte er mich in den folgenden Monaten immer wieder auf, manchmal um über Schiller zu lästern, manchmal um sich etwas Tabak zu borgen, meist aber mit einem Stapel Papiere unterm Arm, die ich dann unter seinem ungeduldigen Blick schnell durchlesen und bewerten sollte. Sein "Seien Sie nur schonungslos, ich kann die Wahrheit vertragen" klingt mir noch in den Ohren, ebenso aber auch sein Gejammer, wenn ich ihm die Blätter mit einem "Ehrlich gesagt: zu verkopft" oder "Der Anfang kraftlos, der Mittelteil zäh und das Ende erwartbar" zurückgab. Um meine Ruhe zu haben, schrieb ich Goethe dann die ihnen bekannte, durchaus wohlwollende Rezension, und sagte ihm, er solle damit machen, was er für richtig halte. Wie sie allerdings dann auf die amazon-Seite gelangte, ist mir schleierhaft, das muss wieder einer der mehr als zweifelhaften Launen meiner Herausgeber entsprungen sein. Doch noch einmal zurück zu Ihrem Brief: Dass Johanns Atem am Ende doch nicht gereicht hat, beweist wohl sein Tod. Ihnen, liebe Frau W., wünsche ich aber alles Gute und mehr Licht. Herzlich, Ihr Klaus L. McCoy

Und auch zu unserer CD "Wir haben Zeit" hat McCoy natürlich etwas zu sagen:

Ich habe bekanntlich schon ein paar Jahre intensiv verfolgt, was diese vier Jungs so aufstellen. Und zwar nicht immer ohne Sorge. Die verzetteln sich doch total, habe ich mehr als einmal meinem Tagebuch anvertraut. Auch von Marketing keinen Schimmer, Flausen im Kopf, von der Hand in den Mund, keinen Fuß in der Tür, den Hintern - mit Verlaub - auf Grundeis, den Herausforderungen des neuen Jahrtausends aber so was von nicht gewachsen. Gut, der eine und andere von ihnen hat nebenher ganz artige Büchlein oder Canzoni in die Welt gesetzt, doch wer tut das heutzutage nicht? Nun freilich dies hier - ein durchaus prall gefülltes gemeinsames Album unserer vier Knallchargen, und der Titel Wir haben Zeit, so behaupten sie plötzlich recht aufgeweckt, sei selbstverständlich im barocken Sinne zu verstehen, sprich: Wir haben es eilig. Hört, hört. Sie wollen es jetzt wohl wissen, wollen Hitparadenluft schnuppern, Hotelzimmer zerlegen, sich öffentlich zerstreiten, mit ambitionierten Einzelkarrieren scheitern, um dann auf der großen Revival-Tour noch einmal so richtig abzuräumen. Schön ins Zeug gelegt haben sie sich allemal. Aber ob die hier versammelten Kompositionen am Ende wirklich aus der Feder unserer vier Heißsporne stammen, oder ob in Wahrheit wieder einmal ich selbst alles schreiben und arrangieren musste, das möchte ich aus Höflichkeit hier nicht beantworten. Ich verweise zu diesem Thema allerdings auf meinen Reißer Mein Leben als Fön, erschienen bei Piper zu München 2004, und verbleibe einstweilen mit freundlichem Gruß Ihr K.L. McCoy

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